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MONEO-BROCK
       
 
Arch. Belén Moneo & Arch. Jeff Brock
„Die Transparenz in drei Projekten für Seves glassblock“
Showroom Seves glassblock Mailand, 11. Juni  2009



Als wir erfahren haben, dass wir zu Ihnen über Transparenz in der Architektur sprechen müssen, hat sich uns der Magen umgedreht, das ist so ein riesiges Thema, wo sollen wir bloß anfangen? Können wir z. B. beim Mönch Laugier beginnen, um die Ursprünge der Architektur in der Transparenz zu suchen?
Seine einfache Hütte war in der Tat vor allem transparent, aber ist das wirklich der Ursprung der Architektur?
Sicher erscheint die Transparenz als fundamental für jede Definition von RAUM.
Der opake Zustand ist die Bedingung des Gegenstandes, allein und schwer, gebunden an die Gesetze von Physik und Chemie.

Der Zustand der Transparenz ist indessen jener des Lichts und der Luft, ein freier Raum des Hineinragens, wo sich Menschen und Tiere zwischen festen Gegenständen bewegen, wo sich Stürme entwickeln und das Sonnenlicht bewegt. Genau hier finden die Ereignisse statt: es ist der Schauplatz unseres Lebens, und daher fundamental für unsere Konzeption des Raumes und daher auch der Architektur.

Aber diese wesentliche und positivistische Definition der Transparenz ist natürlich etwas wörtlich und wenn Sie uns eine Zeit lang ertragen, möchten wir die Titelfrage des Vortrags gerne etwas vertiefen.

In der Architektur gibt es auch Arten, die Transparenz zu definieren, die nicht so wörtlich sind. Die erste können wir eine „bildliche Transparenz“ nennen, eine Erwägung, die sich mehr der Komplexität anschließt, die der Entwicklung eines Werks der Architektur inne liegt, eine Komplexität, die mit der Charakterisierung eines Raums in der Fantasie zu tun hat; wo die verschiedenen Erfahrungen, die bei der Beobachtung eines Werks der Architektur gemacht werden, durch ihre Türen gehen und auf seinen Treppen ansteigt, zufällig seine Fassade studiert, werden in unserer Fantasie zusammengefügt; wo sich die Überlagerung dieser Elemente, ihre Inkongruenz und Unstimmigkeit notwendigerweise verschmelzen und wo die Idee der Natur des Gebäudes und seiner Form synthetisiert werden.

Viele unserer Arbeitsverfahren gründen genau auf dieser dumpferen Form der Transparenz, wo Elemente, die nicht immer eine direkte Verbindung zum Raum haben, übereinander gefügt und zeitweise zusammen gesehen werden (und wie Sie bemerkt haben werden, auf konfuse Weise zusammengefügt).
Wenn wir unsere Projekte über eine Reihe von überlagerten Ebenen konstruieren, so setzen wir die Transparenz unseres Arbeitsinstruments ein, um verschiedene Teile eines Gebäudes zu koordinieren und die Gesamtheit zu synthetisieren. In unserem besonderen Fall, wegen unseres Alters und unserer Empfindsamkeit, ist unser Instrument der Transparenz das Glanzpapier. Auf eine Weise, die jetzt nicht mehr gebräuchlich ist, stellen wir eine Ebene über die andere, einen Aufriss über einen Schnitt, und entwickeln folglich eine Raumstruktur, die das ganze Projekt diffus macht, aber dieselben Grundsätze werden auch in den Strukturelementen der Architekten angewandt, die mit 3D Plänen am Computer arbeiten.

Die Arbeitsmethoden der Architekten verwenden daher eine Reihe von magischen Instrumenten, die es ihren Augen gestatten, einen Augenblick lang das Ganze zu sehen und dank dieser Möglichkeiten, zur Transparenz dieser Mittel, und zu ihrer Fähigkeit, in der Fantasie die Formen lebendig zu halten, die in einem Bauwerk nie gleichzeitig gesehen werden können, können Arbeiten von großer Komplexität und großem Interesse schaffen.
Der Moment der Wahrheit liegt aber vor, wenn das Publikum in den vollendeten Bau eintritt.
Sind die formalen Strukturen sichtbar? Bemerkt man die Motive und Designs? Gibt es Kohärenz im Ganzen? Geht der Besucher mit einer klaren Empfindung weg, was ein Gebäude ist und wie es gemacht ist? Allgemein denken wir Architekten, dass die Nichtarchitekten die Erfahrung der Gebäude unbewusst aufsaugen, dem Anstoß folgen, den die Architekten gegeben haben und wir wünschen uns, dass sie den Gebäuden die Empfindungen entnehmen, die vom ursprünglichen Projekt gewollt waren oder mindestens jene, die wir Projektleiter herbeiführen wollten.
 
Vielleicht war das bedeutendste Werk über die Natur der Transparenz in der Architektur, worüber wir jetzt diskutieren, die Abhandlung aus dem Jahre 1956 „Transparenz: Wörtlich oder Phänomen“ von Colin Rowe und Robert Slutsky. Angeregt von der Theorie der Gestalt und von den Schreiben von Gyorgy Kepes, Gründer des Center for Advanced Visual Studies am MIT, beschreiben Rowe und Slutsky beide diese Arten der Transparenz in Beziehung zu unserem praktischen Bereich. Diese Abhandlung, welche die meisten von Ihnen sicher kennen, ist im ersten wie im zweiten Teil eine wichtige Lektüre für jeden Architekten.

Rowe und Slutsky beginnen mit einer Analyse der kubistischen Gemälde und bewegen sich rasch auf einen Vergleich zwischen den symbolischen Strukturen der modernen Bewegung in der Architektur und in der Folge zwischen einigen Beispielen des Rinascimento Italiano zu. Was uns klarerweise an diesen Autoren interessiert, sind die Arbeiten, wo eine Überlagerung verschiedener Lesarten auftritt und insbesondere, wo die gleichzeitige Erkennung widersprüchlicher Lesarten eine Vibration erzeugt und wo diese Vibration, dieses Schwingen zwischen verschiedenen Lesarten im Gegenteil eine zusätzliche Lesart schafft. Diese Erfahrungen können nach der Theorie der Gestalt von allen wahrgenommen werden und nicht nur von Architekten und Architekturstudenten.

Nachdem wir einen Augenblick lang von diesen bildlichen Formen der Transparenz gesprochen haben, können wir zur Einschätzung eines wörtlicheren Typs zurückkehren.
Seit der Gründung des Studios Moneo Brock sind wir Projekten gegenübergestanden, bei denen wir uns wegen der relativ kleinen Dimension oder aus Gründen des Budgets (oder aus beiden Gründen) auf die materiellen Aspekte der Architektur konzentrieren und die Modulation des Raums durch die Nutzung von Stoffen, Farben und des Lichts erforschen konnten. Nach unserer früheren Erfahrung bei der Projektierung von Lofts in New York, wo das Tageslicht in vielen Fällen eine knappe Quelle war, wurden wir immer zu transparenten, durchsichtigen und in Regenbogenfarben leuchtenden Materialien geführt, in den ersten Projekten verwendet, um das Tageslicht zu brechen und zu reflektieren, von den Fenstern zur Fassade und dann in der Tiefe im Raum der Loft.

 

In diesem Verfahren haben wir entdeckt, dass diese Materialien ein chamäleonhaftes Verhalten aufweisen, insbesondere, in ihrer Reaktion auf die sich ändernden Eigenschaften des Lichtes.
Als wir in diesen beschränkten Räumen arbeiteten und mit der Verbreitung des Tageslichts als Priorität, haben wir Lösungen für den beschränkten Raum und das Tageslicht gesucht, haben wir eine Architektur von Materialien, Farben und Texturen entdeckt. Durch die Verwendung von Blenden zur Kontrolle des eindringenden Lichts haben wir entdeckt, dass wir in der Lage waren, verschiedene Farben und Dessins zu erzeugen, weil der Kontrast zwischen Licht und Schatten sich mit der Bewegung der Sonne und der Leuchtkraft des Himmels entwickelte.

Auch der Glasbaustein gehört zu dieser Kategorie von tektonischem und chamäleonhaftem Material. Als festes Baumaterial zeigt es große Kraft und Robustheit und auf jeden Fall sind seine Reaktionen auf das Licht von wunderbarer Unterschiedlichkeit. Das Zusammentreffen dieser scheinbar widersprüchlichen Eigenschaften in einem einzigen Material hat uns interessiert und dieses Material für uns attraktiv gemacht.

Im Projekt für die Thermen von Panticosa wurden die Glasbausteine eingesetzt, um das Licht ins Innere des Gebäudes zu bringen, das auf allen Seiten von Bergen umgeben ist. Wir haben verschiedene Kombinationen aus durchsichtiger Wand, Glas und Blenden aus Glasbausteinen verwendet, wir waren in der Lage, die Ansicht der umgebenden Landschaft zu modulieren und die richtige Menge an Licht zu liefern, um die Besucher im Inneren zu orientieren.

Dieses Projekt ist ein Beispiel für unsere Definition der Transparenz als Phänomen. In Panticosa sind die räumlichen Lösungen sehr komplex und die Aufteilungen der Stockwerke sind in gewisser Weise ein Labyrinth mit sich wiederholenden und Rundstrecken, viele krumme Wände und vielfache unter einander verbundene Niveaus, aber auf jeden Fall die Kohärenz in der Sprache des Designs und die Möglichkeit, sich auf verschiedene Berggipfel als Orientierungspunkt zu beziehen, gibt dem Besucher jederzeit den Eindruck, wo er sich im Inneren des Gebäudes befindet und wie dieses organisiert ist.

Wir haben das Programm der Aufteilung des Gebäudes projektiert und seine Ausrichtung, die Abfolgen, die von ihrer räumlichen Position definiert werden und unserer Idee von den möglichen Abläufen in einer Therme und wir haben eine Strategie entwickelt für das äußere Volumen in Anbetracht dieser räumlichen Lösung, in Verbindung mit unserer Absicht, das Licht im Innern des Gebäudes und die Sicht nach draußen zu modulieren.

Als wir unserem Konzeptmodell Form gaben, haben wir verstanden, dass es eine Transparenz als Phänomen in unserer Arbeit gab. Wir haben einfach entschieden, ein Modell ohne Böden zu konstruieren und dies gab uns die Möglichkeit, alle Ebenen gleichzeitig einzuschätzen. Während wir dieses Modell konstruierten, haben wir eine Vielfalt von Räumen geschaffen, als ob es ein einziger wäre und da wir dies taten, haben wir ihnen eine Kohärenz gegeben, die von jeder gleichzeitigen Erfahrung abweicht. Dieses einfache Modell hat uns als Instrument gedient, um die Art des Gebäudes zu verstehen, und als konstanter Bezug, als wir die Pläne im Detail entwickelten.

In der Columbia University, wo wir Rafael Moneo geholfen haben, sein Projekt für ein neues Gebäude der Wissenschaft zu entwickeln, war das Betriebskonzept der Transparenz im Prinzip philosophisch, gebunden an den Prozess der Projektierung, vom Moment an, wo er eine Reihe struktureller Lösungen integriert. Später, vom Augenblick an, wo das Projekt der Fassade die Struktur des Gebäudes neu gestaltet hat (ohne es im Wortsinne zu enthüllen), bewegte sich die Frage zu einer Art virtuellen Transparenz, wo die Struktur zugleich sichtbar und unsichtbar ist.

Merkwürdigerweise war der Standort für das nordwestliche Gebäude der Wissenschaften nicht vollständig frei, da die Turnhalle 2/3 des Terrains belegte, wo das neue Gebäude entstehen sollte und die Turnhalle musste an diesem Ort und sogar in Betrieb bleiben während des Baus des neuen Gebäudes. Das neue Gebäude, das Forschungslabors für Chemie, Biologie und Physik umfasst, erforderte sehr feste Böden in Bereichen der Ebene, die direkt oberhalb der Turnhalle lagen und diese durfte nicht mit Säulen durchlöchert werden. Die an die Struktur des Gebäudes gestellten Anforderungen waren also ziemlich verrückt und die strukturelle Konzeption wurde sehr wichtig, sobald die Größe der Werke der Ingenieurskunst klar wurde. Wie wir gesehen haben, hätte die Struktur notwendigerweise ihren Einfluss auf die Architektur des Gebäudes haben sollen.

Der Kompromiss zwischen der Architektur des Gebäudes und seiner Natur wurde von da an das Herz des Projekts des Gebäudes und die Struktur und die Architektur werden eng verschmolzen in einer endgültigen Lösung, die nicht nur den Gebrauch des Stahls effizienter gemacht, sondern auch ein Design der sehr befriedigenden Struktur. Unter Verwendung des Konzepts des Stützgerüsts wurde die gesamte Fassadehülle im Abstand von 40 Metern über der Turnhalle montiert und durch die Computeranalyse, die ihre Reaktionen auf die typischen Ladebedingungen studiert haben, wurden die Stützen nach Orientierung und Position optimiert. Das Ergebnis war eine Struktur, deren Bild die hochspezifischen Anforderungen der Gebäudestruktur umsetzt und den Fluss des  Ballastes zeigt, der die Fassade durchdringt und die vom Stahl gefangene Energie.

Diese Transparenz der Funktion ist nicht atypisch in den Gebäuden, deren Strukturelemente eine so wichtige Rolle spielen, aber die Tatsache, dass sie dem Design der Fassade folgen, hat dieses Projekt besonders interessant gemacht.

Die Enthüllung der verborgenen Struktur wurde durch ein Design als Negativ erreicht, wo im Streifen, welcher die Strukturelemente übernimmt, wurde ein starkes Relief gegeben, eine tiefe Textur von Lamellen aus fließgepresstem Aluminium, das parallel zum Gesims verläuft, aber nicht darauf. Auf diese Weise wird das strukturelle Gesims neu gezeichnet auf der Fassade von der periodischen Alternanz der Lamellen; die Struktur, die auf der Fassade nicht sichtbar, sondern dahinter verborgen ist, ist nichtsdestoweniger dort durch eine andere Absenz vertreten: den Bruch im Design der Lamellen.

Im Design der Fassade des Gebäudes der Columbia University haben wir nicht nur eine virtuelle Transparenz gefunden, wo die Struktur nicht sichtbar ist, wird stattdessen wahrgenommen, aber auch eine Transparenz der Servicemittel, wo der Ausdruck der Struktur nicht völlig offen sein kann wie im Beaubourg, sondern nur angedeutet, wo die Klarheit des strukturellen Systems hervorgehoben wird durch die Idealisierung der Geometrie der Struktur und ihre feine Schönheit durch die Hervorhebung des Details zugänglich gemacht wird.

Im Projekt für den Glaspavillon in Cuenca haben wir stattdessen ein völlig unterschiedliches Problem angetroffen. Wenn das Projekt der Columbia die philosophische, virtuelle und methodologische Transparenz zeigte, so haben wir in Cuenca eine gespenstische Undurchsichtigkeit angetroffen, verborgen in den Brechungen des Kristallpavillons.

Der Grund für dieses Problem lässt sich auf die ursprüngliche Beschreibung des Projekts zurückführen, die einen gedeckten Platz inmitten eines verlassenen Schwemmlandes forderte.
Auf jeden Fall hat uns das Projektverfahren dazu geführt, ein antimodulares Modul zu suchen, wo uns die gegenseitigen Notwendigkeiten dazu geführt haben, uns zentralisierten und/oder linearen Kombinationen zu widersetzen, die sich typischerweise aus der Anwendung der Wiederholung modularer Konstruktionen ableiten und eine fragmentiertere und freiere Zusammenstellung zu suchen. Das für die Struktur verwendete Modul aus Stahl lässt sich für den Beobachter vom Terrain, von innen und von außen nicht wahrnehmen.
Nur in den orthographischen Designs ist der Sinn der strukturellen Ordnung lesbar; im realen Raum nimmt man nur ein Kontinuum von Glas- und Stahlfragmenten wahr. Ironischerweise gestattet die wahre Transparenz der Struktur ihr Verständnis nicht und trägt zur Dunkelheit des Designs bei.

Belén Moneo und Jeff Brock   

    Siehe auch:  
  FLAGSHIP STORE  
 
ARCHITEKTUR & TRANSPARENZ
Treffen mit Belén Moneo und Jeff Brock
 
 
 
 
 
     
 
 
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